Eva Degenhardt

„Zwischen den Stühlen“ Ausstellungsprojekt in der Kirche St. Theodor in Köln Vingst

Die von dem Architekten Paul Böhm geplante und 2002 eingeweihte Kirche St. Theodor in Köln Vingst ist für jeden dort ausstellenden Künstler/in ein ganz besonderer Ort. Mit dem Rundbau aus ockerfarbenen Beton knüpft Böhm an die gelbliche Farbe des Tuffsteins an, der für die romanischen Kirchen Kölns verwendet wurde. St. Theodor reiht sich nicht nur in die lange und große Kirchenbautradition Kölns ein, sondern berücksichtigt auch die sozialen Verhältnisse des Stadtteils Vingst. Pfarrer Franz Meurer, seit 1992 für die Gemeinden St. Theodor und St. Elisabeth zuständig und bekannt für sein soziales Engagement, legte bei der Planung des Neubaus großen Wert darauf, dass die Kirche ein für soziale Zwecke nutzbares Sockelgeschoss erhielt, in dem sich eine Kleiderkammer, eine Küche, Räume für Lebensmittelausgabe, Gemeindewerkstatt und Garage befinden. Auch die Planung eines Cafés und einer Galerie für Kunstausstellungen basiert auf seinen Ideen. „Weltlicher und sakraler Raum stehen miteinander im Dialog, sind nicht vermischt, aber aufeinander bezogen und gehören zusammen.“ (Pfarrer Meurer in: https://de.wikipedia.org/wiki/St._Theodor)

Die Geschichte des Kunstprojekts „Zwischen den Stühlen“
Im Begleitheft zur Ausstellung schreibt die Künstlerin Eva Degenhardt: „Am Anfang standen die Gedichte von Markus Roentgen, die er mir schickte und die mich sehr berührten. …Es entstand die Idee, aus den losen Blättern „Blüten“ zu falten. Die Gedichte waren ja wie Wortblüten, die meinen Alltag bereicherten. Immer mehr Blüten formten sich und ich wollte sie wie in einem Garten anpflanzen. Ich suchte nach einem „Träger“, welcher die Blüten stützen und rahmen könnte und zugleich eine eigene Rolle in dem Projekt spielen sollte. Der Stuhl schien mir geeignet, weil er als Alltagsobjekt und als Zeichen tief in unserer Kultur verwurzelt ist. Mit dem Objekt Stuhl hatte ich mich schon viele Jahre beschäftigt. Seine vielfältigen Bedeutungsebenen in der Kunst, in der Literatur und in der Philosophie faszinierten mich und ich hatte bereits ein kleines Archiv an „Stuhlgeschichten“ angelegt. Die Entscheidung, mich nun auch künstlerisch an den Stuhl heran zu wagen, lag also bereits in der Luft.“ (Eva Degenhardt und Markus Roentgen: Stühle, 2010)

Eva Degenhardt und Markus Roentgen, Theologe und Referent für Spiritualität und Exerzitien im Erzbistum Köln, führten schon längere Zeit einen Dialog miteinander. Der Idee, diesem Dialog eine künstlerische Form zu geben, stand Markus Roentgen offen und fördernd gegenüber.

Wir leben mit Stühle in unserem Alltag, doch wir können mit Stühlen auch soziale Hierarchien festlegen. Im politischen Raum oder in der Schule werden Abhängigkeiten und Rangunterschiede oft durch Sitz- und Stuhlformationen angezeigt. Unsere Sprache ist reich an Wörtern die sich auf das „Sitzen“ beziehen.
Mit dem Projekt „Zwischen den Stühlen“ brachte die Künstlerin einerseits die vielen Aspekte, die das Thema bietet, zum Klingen, andererseits initiierte sie einen offenen, künstlerischen Prozess, an dem auch andere beteiligt waren und sich in das Projekt einbringen konnten: Die Künstlerin Verena Kacschmarek und der Künstler Wolfgang Neisser entwarfen ihren eigenen Stuhl, andere brachten einen für sie bedeutungsvollen Stuhl Eva Degenhardt und ließen ihn umgestalten. Auf diese Weise löste sich das Stuhlprojekt aus dem persönlichen Kontext der Künstlerin und entwickelte sich zu einem vielfältig vernetzten Kommunikationsraum. Immer mehr Stuhlgeschichten wurden miteinander verwoben und fanden schließlich in der Kirche St. Theodor ihre „würdige“ Präsentation. Begleitend entstand ein kleiner Katalog.

Stuhl

Stuhl "Ikarus" von Eva Degenhardt

Stuhl von Wolfgang Neisser