Eva Degenhardt

Ein Band für den Bund

Eine Kunstaktion von Eva Degenhardt zum Jubiläumskongress: 100 Jahre ND – „Christsein.Heute“, 2019 in Köln
Hintergründe für die Kunstaktion
Die katholische ND-Schülergemeinschaft und der Bund Neudeutschland wurden 1919 in Köln gegründet. Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs wollte man ein neues Deutschland mitgestalten. 2019 wurde das 100 jährige Bestehen des Verbandes mit einem großen Kongress in Köln gefeiert. Das programmatische Motto des Kongresses: „Christsein.Heute“ spannte einen weiten Bogen von der Vergewisserung der eigenen Tradition bis hin zu den zukünftigen Aufgaben in der Gesellschaft. Große Themen: Klimawandel, Globalisierung, Demokratie, Verständnis der Familie, Sterbehilfe … wurden in unterschiedlichen Veranstaltungen angedacht und diskutiert.
Ein Kunstwerkes sollte auf dem Kongress – man erwartete 900 bis 1000 Teilnehmer/innen – die vielen Aspekten des lebendigen Netzwerks darstellen und den Abschlussgottesdienst im Kölner Dom und die Feier im Gürzenich als bildhaftes Zeichen bereichern. Dr. Rainer Will, stellvertretender Leiter des Katholischen Bildungswerks Köln, schlug die Künstlerin Eva Degenhardt für diese Aufgabe vor.

Die Kunstaktion und das Werk
Da die Künstlerin Eva Degenhardt das Schaffen eines Werkes oft aus der Zusammenarbeit mit vielen Beteiligten hervorgehen lässt, initiierte sie für den Auftrag, ein künstlerisches Zeichen für den ND Jubiläumskongress zu entwerfen, eine vorangehende Aktion. Postkarten mit dem Satzanfang: ND Christsein.Heute bedeutet für mich …., wurden mit der Bitte verteilt und verschickt, den Satz mit eigenen Überlegungen zu Ende zu führen. Die Künstlerin sammelte auf diese Weise die Erinnerungen, Hoffnungen und Wünsche vieler NDer/innen und übertrug diese auf Din A4 Papiere, die sie auf Gaze aufklebte, mit Wachs beschichtete und auf diese Weise zu einem langen Band miteinander verwob.
Die gesammelten Gedanken der Beteiligten befinden sich in der Mitte des ungefähr 50 Meter langen Bandes und werden – ohne Namensangaben – so, wie sie der Künstlerin geschickt wurden, in einer einheitlichen Form präsentiert. Im vorderen und hinteren Teil des Bandes hat Eva Degenhardt einzelne Worte aus den Texten der Beteiligten in die leeren Flächen gesetzt. Auf diese Weise aus einem sinnvollen Zusammenhang gerissen rufen die Worte neue Gedanken und Assoziationen hervor. Die frei schwebenden Worte könnten eine Aufforderung sein, das eigene Denken immer wieder zu überprüfen und sich auch auf andere Bedeutungszusammenhänge einzulassen.
Das „Band für den Bund“ liegt gefaltet in einer Transportkiste. Der Deckel dieser Kiste wurde mit einer Bildcollage des Künstlers Wolfgang Neisser versehen. Mit vielen Fotografien und Texten hat Wolfgang Neisser die 100 jährige Geschichte des ND eindrucksvoll verdichtet.
Im Festgottesdienst, der im Kölner Dom stattfand und zusammen mit der Feier im Gürzenich den Abschluss des Jubiläumskongresses bildete, wurde das „Band für den Bund“ in drei Phasen entrollt und reichte schließlich vom Altarraum weit in den Dom hinein. Das fragile Papierband verband die Gläubigen miteinander und legte eine eindrucksvolle Spur durch die große Kathedrale. Während des Festakts im Gürzenich konnte die Künstlerin das „Band für den Bund“ vorstellen und seine Entstehung erläutern.
In der abschließenden Dokumentation zum Jubiläumskongress ist die Kunstaktion: „Ein Band für den Bund“ in Wort und Bild ausführlich festgehalten. Das Kunstwerk wurde vom ND angekauft und kann auch in Zukunft für die unterschiedlichsten Veranstaltungen genutzt werden.