Eva Degenhardt

table-round: erinnern – planen – handeln

Ein Kunstwerk von Eva Degenhardt im Zusammenhang mit der Kampagne „Erlassjahr 2000“, 1999

Hintergründe des Projekts

Das Kunstprojekt „table-round“ entstand 1999 und bewahrt die Dokumente einer weltweiten Unterschriftenaktion, die im Zusammenhang der Kampagne „Erlassjahr 2000“ initiiert wurde.

Seit den 1990er Jahren setzten sich immer mehr entwicklungspolitische Initiativen und Nichtregierungsorganisationen für einen weitgehenden Schuldenerlass für hochverschuldete Entwicklungsländer ein. 1997 bildeten vor allem kirchliche Initiativen eine Koalition, die den biblisch gebotenen Schuldenerlass – eine zu bestimmten Zeiten geltende Schuldentilgung der ärmeren Bevölkerung – zu Beginn des neuen Jahrtausends auf die Situation der ärmsten Länder der Welt übertragen wollte. Sie nannten daher ihre Kampagne: „Erlassjahr 2000“.

table round - Ein Kunstwerk zum Schuldenerlass 2000

Beim 25. Weltwirtschaftsgipfel 1999 in Köln demonstrierten über 40.000 Bürger aus Europa mit einer Menschenkette für diese Forderungen. Außerdem übergab man dem Gipfelgastgeber, dem damaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder, knapp 20 Millionen Unterschriften von Menschen aus vielen Ländern der Welt, die sich den Ideen der Erlassjahr-Kampagne angeschlossen hatten. Man konnte damals die inhaltlich schwer wiegenden Papierstapel im öffentlich zugänglichen Domforum Köln sehen. Doch was sollte mit diesen Dokumenten nach der Aktion geschehen? Es kam die Idee auf, die Unterschriften-Papiere in einem Kunstwerk zu bewahren und damit sowohl der vorangegangenen Aktion eine dauerhafte Bedeutung und Wertigkeit zu geben und gleichzeitig ein mahnendes Zeichen für die Zukunft zu setzen.

Das Kunstprojekt

Die Kölner Künstlerin Eva Degenhardt entwickelte das Projekt „table-round: erinnern – planen – handeln“. Die Papiere mit den Unterschriften von Menschen aus vielen Teilen der Welt wurden zu einem 150 Meter langen Band zusammengefügt. Die Künstlerin klebte jeweils vier Din A4 Seiten nebeneinander auf Gaze auf und überzog die Oberfläche mit einer schützenden Wachsschicht. Auf diese Weise entstand ein „Erinnerungsband“, das durch seine Länge und durch die Fülle der persönlichen Unterschriften dem Anliegen der Kampagne eine beeindruckende Ästhetik verlieh. Gleichzeitig wirkte das im Raum ausgerollte Band durch seine Transparenz (Wachs auf Papier) fragil und verletzlich.

Im Rahmen einer Performance kann das ausgerollte Papierband zu einer Spirale eingerollt werden. Auf diese Weise wird das Band aus Papier zu einem stabilen Sockel für eine gläserne, runde Tischplatte. Eva Degenhardt will mit der Form des „table-round“ an den Kölner Weltwirtschaftsgipfel erinnern, bei dem man sich zusammenfand und in „großer Runde“ die drängenden Fragen der Zeit besprach. Die Tischplatte aus Glas ermöglicht den Blick auf die tragende Basis des Tisches: das zur Spirale eingerollte Unterschriften-Band. Auf der Tischplatte ist in vereinfachter Form eine Weltkarte angedeutet. Die Künstlerin druckte die Erdteile ohne Ländergrenzen mit eingefärbtem Ton auf die Unterlage.

Der Vision einer gemeinsamen Welt wird – im Blick auf die Fragilität der Materialien – die Verpflichtung zur Achtsamkeit zur Seite gestellt.

Das Kunstwerk „table-round“ wurde an vielen Orten gezeigt: u.a. im Katholisch-Sozialen-Institut in Bad Honnef (1999), in der romanischen Kirche Groß Sankt Martin in Köln (2000), im Pavillon der Hoffnung auf der Expo 2000 in Hannover, in der Kirche Sankt Marien in Lübeck (2000) … „table-round“ wurde 2001 von der Organisation World Vision Deutschland angekauft. Leider hat man das äußerst empfindliche Papierband nicht sachgemäß aufbewahrt, so dass das Kunstwerk heute nicht mehr existiert.

Ausstellung bei der Expo 2000 in Hannover im Pavillon der Hoffnung

Ausstellung in der Kirche Groß Sankt Martin in Köln, 2000

Ausstellung in der Abtei Brauweiler, 2000